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Robert u. Beatrix Kögler
Altstadtgasse
8330 Feldbach
Österreich
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Zen

Beatrix Kögler - Zen Lehrende und Kauffrau

1991 kam ich mit Zen in Kontakt, als ich meine Tante Irmgard, die inzwischen als Venerable Myokyo-ni in London das Zen-Center leitete und Mitglied der London Buddhist Society war, besuchte. Schon seit ihrer Rückkehr aus Japan 1972 hatten wir einen regen Briefverkehr. Nach meinem Besuch im Zen-Center Shobo-an, Marlborough Place 58, London NW8 OPL, wurde Ven. Myokyo-ni meine große Lehrerin. 2006 erhielt ich von ihr die Erlaubnis, Zen zu unterrichten. Noch heute steht unsere Zen-Gruppe in Feldbach im regen Kontakt mit Shobon-an in London, das heute von Ven. Sochu geleitet wird.

Zen ist eine Schule des Buddhismus und als solcher ein spiritueller Weg, der von uns Demut und Disziplin fordert. Beides scheinen wir heute verlernt zu haben, obwohl beide wichtige Bestandteile für ein erfülltes und stressfreies Leben sind. “Des Berges Spitze ist ein einsamer Platz für ein Menschenherz” heißt ein Zen-Spruch. Kehren wir ins Tal zurück, bedeutet das allerdings, dass wir erkennen müssen, dass wir nicht allein sind auf dieser Welt und uns damit auch wieder einfügen müssen. Es bedeutet aber auch, dass da etwas ist, was anders ist als ICH. Wir haben viele Begriffe dafür geschaffen: Gott, Tao, Manitou etc. Von diesem göttlichen Prinzip, das im Osten Tao genannt wird, fühlen wir aber nur, wenn wir uns öffnen, dass es existiert. Doch wir können uns demütig davor verbeugen und unsere Hände falten, wie wir es auch in unserer christlichen Tradition machen. So verträgt sich Zen gut mit unserem Christlichen Erbe und lehrt uns, dass was allen Religionen gemein ist, besser zu verstehen.
Sehen Sie doch die Finger Ihrer Hand - sie sind alle verschieden, doch alle haben eine gemeinsame Wurzel, die Hand. So haben auch die Religionen verschiedene Gesichter, so vielfältig wie die Gesichter unserer Welt. Doch sie haben eine gemeinsame Wurzel, die Sehnsucht nach Verbindung mit etwas höheren als ich bin. Im Christentum sagen wir “Herr, Dein Wille geschehe”, und im Buddhismus “Anatta - kein ich”. Ich fühle mich heute beiden Religionen tief verbunden und sehe im Zen die Möglichkeit, Menschen, die die Wurzeln aus den Augen verloren haben, zumindest einen Fingerzeig zu geben.

‚Es ist ein uralter Weg in eine uralte Stadt’, verkündete Buddha und stellte fest, er habe diesen Weg nicht entdeckt, nur wieder gefunden. Gemeint ist der Weg zurück zu unserem eigenem Herzen. Es ist ein langer Weg, gezeichnet von Verblendung und Täuschung, getrieben vom den Feuern, doch es ist ein fruchtbarer Weg. Einmal gegangen, führt er uns wieder zu uns selbst zurück.

Historisch gesehen liegt die Wiege des Zen in China des 6. Jhrds., wo der in Indien entstandene Buddhismus durch die praktische und konkrete Mentalität der Chinesen, sowie den dort vorherrschenden Taoismus, in dem es um Einfachheit und selbstverständlichem Einklang mit dem was ist, geht, beeinflusst wurde. Als legendärer Gründer der Zen-Schule gilt der indische Mönch Bodidharma, der als 28. Patriach nach Buddha, nach China reiste, wo er hoffte, dass man dort der Lehre Buddhas mehr Achtung entgegen bringen würde. In Indien hatten bereits wieder die alten Götter des Hinduismus von den Vorstellungen und Lehren Buddhas Besitz ergriffen und bereits in mehrere Richtungen gespalten: So waren als Hauptrichtungen der

der Mahayana-Buddhismus
der Deravada-Buddhismus
und
der tibetanische Buddhismus

entstanden. Zen entwickelte sich aus der nördlichen Schule, die auch als Mahayana-Buddhismus bekannt ist.

Das japanische Wort ZEN hat sich aus dem chinesischen Wort ‚Chan’ entwickelt. Den Ursprung dieses Begriffes finden wir in dem alten indischen Sanskritwort ‚Dhyana’ – was soviel wie Meditation bedeutet. In der Zen-Schule ist Meditation ist ein wichtiger Bestandteil, doch ebenso notwendig ist Shugyo – was soviel wie ‚Übung im Alltag’ bedeutet. Auch wenn uns die Legende berichtet, dass Bodidharma in einer Höhle nahe des Shaolinklosters 9 Jahre mit dem Blick auf die Felswand meditiert haben soll und als er wieder aufstand, nur sein Schatten an der Wand zurück blieb, so wird dennoch im Osten vorausgesetzt, dass der Begriff Shugyo bereits im Alltag verinnerlicht ist, wenn man meditiert.

Zu Beginn des 13. Jhrds. erreichte der Zen-Buddhismus als Rinzai- und Soto-Zen Japan. Dort wurden diese beiden Schulen weiterentwickelt. Sie paßten sich der japanischen Geistesart an, und es entstanden die drei Hauptschulen:

Rinzai
Soto
und Obaku.

Zen ist kein Text und kein Spekulieren über etwas, Zen ist das Leben, Zen ist Sitzen, Stehen, Bügeln, dem Wind in den Haaren spüren, in jedem Moment des Lebens ganz da zu sein. Doch dazu bedarf es einem Training, denn wir haben verlernt, ganz in uns zu sein.

Wenden wir uns zuerst diesem “Üben im Alltag” zu. Von einem der ersten westlichen Zen-Kennern – Eugen Herrigel – wurde Zen als die Kunst des Versenkens bezeichnet. Was bedeutet nun aber dieses Versenken?

Sollen wir die Realität vergessen, in unseren Tagträumen und Wünschen versinken und auf Erleuchtung hoffen. Nein – es bedeutet gerade das Gegenteil:

Wir sollen in der Wirklichkeit leben, sollen diese Wirklichkeit bewußt wahrnehmen, auf sie reagieren, ohne dabei auf die Launen meines Ich’s Rücksicht zu nehmen.

Dieses dominante ‚Ich’ in uns ist nach Buddha der Ursprung allen Leidens. Dieses ‚Ich’ ist das Hindernis auf dem Weg zu unseren eigentlichem Selbst.

Stellen Sie sich vor, Sie liegen gemütlich im Liegestuhl. Es ist ein wunderschöner Tag – so richtig zum Faulenzen. Sie sind ganz in ein spannendes Buch vertieft. Laut ertönt Ihr Name. Man braucht Sie, warum ist jetzt für diese Geschichte nicht so wichtig. Wichtig ist Ihre innere Einstellung. Stehen Sie begeistert auf und eilen zu Hilfe! Ich glaube nicht – wenn doch ja – vielleicht sollten wir die Rollen tauschen. Nun – ich bin sicher – in Ihnen rumort es! Je nach Veranlagung lauter oder leiser! ‚Ich mag nicht!’, schreit es in Ihnen. Sie können sich nun nach belieben vorstellen, wie Ihr sogenanntes ‚Ich’ jetzt reagiert. Nehmen wir an, Sie sind ein höflicher Mensch. Im Westen haben wir gelernt, zu mindestens meistens, unseren Unmut oder Ärger hinunterzuschlucken. Doch voll Begeisterung werden Sie sicher nicht sein, sie werden halbherzig aufstehen, ihren Unmut leiser oder auch lautstark äußern und die anstehende Arbeit sicher nicht mit Leidenschaft machen.

Wenden wir uns nun genauer diesen inneren Emotionen zu. Sie sind unsere Energie, eigentlich unsere Lebensenergie. Diese trägt uns weiter, macht uns lebendig. Unterdrücken wir sie, wird unser ich hohl und leer, ist halb lebendig. Leben wir sie aus, wird das ich zu einem zwanghaften Aktionisten, der von den Emotionen immer in Unruhe gehalten wird, nur durch ständige Aktivität kann dann das Ich diese Spannungen abbauen.

Beides führt zu einem nicht glücklichen Leben. So werden wir getrieben von der Suche nach unserer wahren Natur. Zen zeigt uns nun einen Weg der in der Mitte liegt und daher auch als der mittlere Weg bezeichnet wird.

bull bild1Der chinesische Zen-Meister Kakuan schuf im 12. Jahrhundert eine wunderschöne Analogie dazu. Im Deutschen heißen diese 10 Bilder ‚Ochs und Hirte’, im Englischen ‚The bull pictures’. Das Wort ‚Bulle’ ist treffender, denn wer den Unterschied zwischen einen Bullen und einem Ochsen kennt, weiß wovon ich spreche. Der Bulle steht in diesen Bildern für die in uns wohnende, ungezügelte Energie, der Hirte ist der Mensch.

Im ersten Bild weiß der Hirte nicht, wo er suchen soll. Das ist der Mensch, noch unwissend, getrieben von Emotionen, deren Spielball wir immer wieder werden. Denn nicht ich habe Emotionen, die Emotionen haben mich. Wären sie meine, könnte ich sie bewußt steuern, könnte sie meinen Willen unterwerfen, sie nach Belieben hervorrufen und ablegen. Aber wenn ich ehrlich bin – ich muß zugeben, ich kann es nicht.

Doch da ist Hoffnung. Bereits in den nächsten Bildern entdeckt der Hirte die ersten Spuren im Sumpf, hört das Brüllen des Bullens.

Zurück zu unserer anfänglichen Geschichte. Im Zuge unseres bereits gegangenen, gemeinsamen Weges haben auch Sie bull bild 2schon die Spuren des Bullens entdeckt. Sie haben diesen Bullen in sich vielleicht zum ersten Mal bewußt wahrgenommen. Nun kann er sich kaum mehr vor ihnen verstecken. Schauen Sie in sich, und Sie werden ihn in vielen, oft unbedeutenden Situationen tagtäglich entdecken.

Nun sind Sie bereit für das Zen-Training, und es ist nicht leicht. Wie schon Meister Rinzai vor 1000 Jahren sagte: Die Natur des gewöhnlichen Menschen fühlt sich nicht dazu hingezogen. Um bei unseren Bull-Bildern zu bleiben: Ich und der Bulle müssen einander annehmen. So wie ich mich im Umgang mit dem Bullen ändere, wird auch er sanfter und je weiter der Weg uns gemeinsam führt, umso mehr verschmelzen wir mit einander.  Als Vorraussetzung für diesen Weg brauche ich Glaube und Vertrauen, den ich weiß nicht, wohin der Weg geht. Niemand kann es mir sagen, denn es ist mein Weg. Ich brauche den Zweifel, damit ich immer wieder prüfe, ob ich nicht zwischendurch eine falsche Abzweigung genommen habe, die mich eher wieder zurückführt. Ich brauche Kraft, leidenschaftliche Kraft, mich all den Dingen zu stellen, die der Weg für mich bereit hält und um sie auch auszuhalten zu können. Und ich brauche Geduld und große Demut, wenn sich der Weg nicht nach meinen Wunschvorstellungen entwickelt; damit ich mein Haupt vor der großen Allmacht beuge und wie einst sage: Herr, Dein Wille geschehe.

Doch mit diesem Vorraussetzung können wir getrost beginnen. Zen ist ein Weg der viel verlang, aber er führt in die Tiefe und zum Licht, lässt uns teilhaben an der universellen Allmacht und Weisheit, lässt uns begreifen als Teil des Ganzen. Dieser Weg führt direkt zum Herzen, zur der dem Menschenherz innewohnenden reine Wärme, die anrührt und Menschen wachsen lässt. 

So setzen wir den ersten Schritt auf diesen Weg, tun, was von uns verlangt wird, und was wir noch nie zuvor getan haben. Wir nehmen unsere Emotion wahr, wir nehmen sie bewußt an. Diese Emotion, die ich viel lieber verleugne, erkenne sie als die meine und durchleide sie, um trotzdem das was gerade getan werden muß, mit vollem Herzen, mit meinem ganzen Selbst, meiner ganzen Konzentration zu tun.

Stellen Sie sich keine großen Aufgaben – es bedarf keiner besonderen Herausforderungen. Nehmen Sie ihren ganz normalen Alltag, vom Aufstehen in der Früh, bis zum Schlafen gehen und versuchen Sie, das was zu tun ist, mit ganzen Herzen zu tun. Wenn sie dabei Ihren Bullen sehen, nehmen Sie ihn an. Lassen Sie Ihrer Emotionen zu, kehren Sie sie nicht unter den Teppich sondern durchleiden Sie sie und erledigen das, was getan werden muss mit aller Sorgfalt und Liebe. Für diese erste Übung setzen Sie sich als Ziel zum Beispiel 3 Wochen. Überschaubare Abschnitte erleichtern Ihnen das Üben und vermeidet große Enttäuschungen. Wenn Sie gerade sportlich zu laufen begonnen haben, bestreiten Sie auch nicht am nächsten Tag schon einen Marathonlauf. Nichts geht von heute auf morgen und nur durch Üben, den immer wiederkehrenden Üben beginnt eine langsam Veränderung.

Dazu möchte ich ihnen kurz aus einem Brief eines Schüler an meine Tante erzählen. Dieser hat eine sehr gut gehende Firma in Deutschland. Im vorigen Herbst nahm er einen neuen Mitarbeiter auf, der sich um die technische Weiterentwicklung des Produktes kümmern sollte. Zu gleicher Zeit traten aber auch unerwartete Probleme mit diesem Produkt auf, sodaß sich der neue Mitarbeiter eher mit langweiligen und nicht fordernden Arbeiten herumschlagen musste. Darauf angesprochen, ob er nicht mit dieser Situation unzufrieden ist, stellte er einfach fest:

Wenn ich eine Aufgabe zu erfüllen habe, die mich eigentlich langweilt, mich nicht fordert, versuche ich sie besonders gut zu machen, damit ich mich nachher über die perfekte Leistung freuen kann.

Das ist Zen im täglichen Leben. Trotz inneren Aufbegehrens, versuchen wir uns lächelnd ganz in die gestellte Aufgabe zu geben. Wenn wir auch innerlich explodieren, verneinen wir dieses Gefühl nicht, durchleiden es, und versuchen trotzdem uns mit ganzen Herzen der Aufgabe hinzugeben.

Wie wir zum Gehen mindestens zwei Beine benötigen, brauchen wir für den Zen-Weg neben Shugyo – der Übung im Alltag – Zazen – Das Sitzen in Meditation. Ohne die eine bleibt die andere unfruchtbar. Übe ich nur im Alltag, lerne ich sicher für die Umgebung ein angenehmerer Mitmensch zu werden, doch mein inneres bleibt trotzdem leer. Flüchte ich nur in die Meditation, bleiben der Hirte und der Bulle erhalten und nicht gezähmt durch die tägliche Praxis kann der Bulle mich in tiefe Abgründe führen.

Einen Klassiker der vielen Zen-Geschichte dazu möchte ich Ihnen nicht vorenthalten. Ein sehr gewissenhaften junger Mönch saß in jeder freien Minute Zazen. Sein Meister bemerkte seinen aufrichtigen und andauernden Eifer und wollte ihm helfen. Eines Tages, als der Mönch in einer Ecke des Hofes Zazen saß, nahm der Meister einen Ziegelstein, setzte sich neben ihn, rieb und polierte den Ziegel unablässig mit der Handfläche. Dann fragte er den Mönch: „Was machst du da?“ – „Ich versuche ein Buddha zu werden“, war die hoffnungsvolle Antwort des jungen Mönches. Als er bemerkte, wie der Meister sich mit dem Ziegelstein abmühte, fragte er: “Aber Meister, was macht ihr denn da?“ – „Ich stelle einen Spiegel her“, erwiderte der Meister. „Aber kein noch so ausdauerndes Polieren kann aus einem Ziegelstein einen Spiegel machen“, rief der Mönch verwundert aus. „Und kein noch so ausdauerndes Sitzen kann aus einem Trottel einen Buddha machen“, versetzte der Meister.

Man kann Zazen nicht erklären. Das Begreifen kommt mit der Praxis und durch die Erfahrung im Tun. Zazen-Anweisungen sind fast mit Kochrezepten vergleichbar. Sie wollen Hinweise geben, immer wieder an Wesentliches erinnern und helfen, mit der Übung weiter zu machen. Man kann Zazen nur tun, denn Zazen kann mein Ich nicht lernen, denn ich stehe mir selber im Weg. Nur die indirekte Annäherung führt zum Ziel. Wichtig ist dabei eine Sitzhaltung, die Körper und Geist zur Ruhe kommen lässt. Sitzen Sie auf einer Matte mit Kissen, so sitzen Sie in einer Art Schneidersitz, die Knie fest auf der Unterlage ruhend. Kopf und Knie bilden das Grund-Dreieck, dass den erforderlichen festen Halt gibt. Dabei ist es nicht notwendig im ganzen Lotus-Sitz zu sitzen. Es gibt auch den Halben und den Viertel-Lotus-Sitz. Wichtig ist das ‚In-sich-ruhen’. Heißt es doch: Schwankt der Körper, schwankt auch der Geist.

Versuchen Sie nun Ihren Körper auszurichten. Spüren Sie Ihre Sitzhöcker, versuchen Sie die Wirbelsäule nach oben hin aufzurichten, als ob Sie den Himmel abstützen wollten. Das Kinn schiebt zurück, damit finden auch die Halswirbeln halt. Kippen Sie ganz nach vorne und strecken Sie sich, als ob jemand an Ihrer Nase ziehen würde. Nun richten Sie sich wieder auf, pendeln vor und zurück, drehen sich seitwärts und kommen wieder zur aufgerichteten Position zurück. Nun liegen Ohren und Schultern auf derselben senkrechten Fläche liegen. Nase und Nabel bilden eine Linie. Ihr Blick ist 45° nach vorne gesenkt, die Augen halb geschlossen. Die 45° erreichen Sie, wenn Sie sich einen Punkt am Boden in ca. 1 m Entfernung suchen.

Die nach oben zeigenden Handflächen ruhen ineinander, die Daumenspitzen berühren sich in einer gedachten Linie über den Mittelfingern. Eine zweite Möglichkeit der Hände ist, das man mit einer Hand den Daumen der anderen umfasst. Die Hände ruhen auf den Oberschenkeln und stabilisieren ebenfalls den Körper. 

Wenn Sie auf einen Sessel sitzen möchten, sitzen Sie am Sesselrand, ihre Beine sind leicht gekretscht, Ober- und Unterschenkel bilden ein rechtwinkeliges Dreieck. Notfalls brauchen ihre Füße eine Unterlage. Sie sitzen auf ihren Sitzhöckern und Sie versuchen wieder wie schon beim Lotus-Sitz Ihre Wirbelsäule aufzurichten. Kinn schiebt zurück, Ohren und Schultern liegen auf einer senkrechten Fläche, Nase und Nabel bilden eine Linie. Sie verwenden die gleiche Übung dazu, wie beim Lotus-Sitz. Auch Sie senken den Blick zum gesuchten Punkt und positionieren ihre Hände.

Sie sitzen: ........  Nun konzentrieren Sie sich auf Ihren Atem. Sie atmen mit dem Bauch, hier sitzt das Qi. Und in jedes Ausatmen geben Sie eine Zahl, die Zahlen 1 – 10. Bei 10 angekommen, beginnen Sie wieder mit 1. Versuchen Sie die Augen halboffen zu halten, sonst könnte ein innerer Film, eine Gedankenreise, Ihre Aufmerksamkeit auf sich lenken. Wie heißt es doch so schön: Selbst wenn dir Buddha bei Meditieren auf einem weißen Elefanten entgegengeritten kam, warst du 1000 Meilen vom richtigen Weg entfernt.

Dennoch gleiten ihre Gedanken immer wieder ab. Versuchen Sie ihnen keine Aufmerksamkeit zu schenken und beginnen Sie wieder erneut mit dem Zählen.

Versuchen Sie fürs erste 10 Minuten so zu sitzen. Mit der Zeit können Sie die Zeitspanne auf 30 Minuten ausdehnen. Sollten Sie länger meditieren, machen Sie nach 30 Minuten eine Pause und sitzen für einige Minuten einfach locker in einer Ihnen gefälligen Sitzposition.

Wenn Sie sich für Zen ernst interessieren, kommen Sie doch in unsere ZEN-Gruppe. Wir treffen uns jeden Freitag, 19’00 Uhr. Näheres finden Sie unter Kurse, oder rufen Sie mich einfach an, oder schreiben mir eine Mail.

Zur Erinnerung an eine große Zen-Meisterin

VMVen. Myokyo-ni wurde am 29. Jänner 1921 als Irmgard Schlögl in der Siebenaumühle (zwischen Lödersdorf und Leitersdorf bei Feldbach) geboren. Nach der Matura am Fürstenfelder Gymnasium begann sie in Graz mit dem Studium der Geologie, das sie mit dem Doktorat abschloss. In Graz lernte Irmgard Schlögl bei einem Vortrag Heinrich Harrer kennen und kam durch diese Freundschaft zum ersten Mal mit dem Buddhismus in Berührung. 1950 ging sie aus beruflichen Gründen nach London. Dort besuchte sie immer öfter die London Buddhist Society. Deren Gründer, der Richter Christmas Humphreys, wurde auf sie aufmerksam und förderte ihr steigendes Interesse am Buddhismus. 1960 reiste Irmgard Schlögl für die Buddhistic Society, aber auch aus eigenem Interesse nach Japan. Dort studierte sie im Daitoku-ji (-kloster) in Kyoto unter Sesso Roshi und nach dessen Tod unter Sojun Kannun Roshi Zen. 1966 kam sie für 9 Monate nach London zurück und gründete eine Zazen-Gruppe in der London Buddhistic Society, die auch nach ihrer Rückkehr nach Japan weiter bestand. 1972 kehrte Irmgard Schlögl mit ihrer Zen-Meister-Qualifikation nun für immer nach England zurück. Am 22. Juli 1984 wurde sie von Soko Morinage Roshi ordiniert und erhielt den Namen Myokyo-ni. Sie leitete das Zen-Center ‘Shobo-an’ in St. John’s Wood in London und gründete 1996 das Trainingskloster ‘Fairlight’ in Luton in der Nähe von London, wo sie am 29. März 2007 verstarb. Da Zen-Meister immer einen Doppelnamen tragen, wurde ihr postum der Name Daiyo Myokyo verliehen. 

Lebensrad